Ich will grad niemanden belasten, deswegen sage ich es hier und nicht jenen, es geht sie nichts an, sie sollen’s nicht wissen.
Ich sitze im Bad, in meinem kleinen, kleinen blauen Bad am Boden, Füße gegen das Kästchen, Rücken an die Waschmaschine, Arme am Waschbecken festhaltend. Es rauscht in den Ohren, es rauscht so laut und ich vergesse immer wieder kurz zu atmen und muss mich daran erinnern, Luft einzusaugen und auszustoßen. Das Waschbecken ist kühl, meine Handballen haben die Kühle aufgesogen, ich drücke sie auf meine Augen, das Rauschen klingt ab, wieder muss ich mich erinnern zu atmen. Im Kopf kreisen Spiralen aus Gedanken, Gedanken an die Träume, die ich in letzter Zeit habe, die von toten Haustieren handeln, in denen Naturkatastrophen und (Bürger)Kriege über mich, über uns hereinbrechen. Ich weiß nicht was los ist, ich weiß, dass etwas los, will nicht wissen was, ahne es, verfluche es, lache über mich selber, über das dumme kleine Kind, das sich so wichtig nimmt und sich so hervorhebt, unbedeutendes kleine Geschöpf. Ich denke, mach es mit dir selber aus, wie früher, früher ging es auch und das Ich im Jetzt denkt, nein, ich hab es ihm und ihm versprochen, nein, eigentlich hast du es ihnen nicht versprochen, wenn du genau nachdenkst. Stimmt, stimmt, denke ich, da hast du recht. Also, warum nicht, ja, warum nicht sage ich zwar leise, denke dabei aber gleichzeitig, du willst dich damit nur aufspielen, dummes kleines trotziges Kind und einerseits wahr und andererseits gelogen.
Ich habe seit einer halben Stunde dauernd das Gefühl, ich müsste brechen, das Gefühl ist konstant, leicht und präsent, nicht überwältigend, aber da. Ich traue mich nicht, eine weitere Baldriantablette oder Tropfen zu nehmen, trotz zweier Tabletten habe ich Herzrasen und Hitzwallungen. Beruhigen, beruhigen, an was Schönes denken und sich nicht fragen, woher kommt das nur, woher nur, warum jetzt, wo ist der Auslöser, vermeide ihn, denk doch nicht dauernd über alles nach, selbst schuld, du kleines Geschöpf.
Langsames Beruhigen, langsames Abflauen, sich nicht mehr dran erinnern müssen, einzuatmen und auszuatmen. Stille in den Ohren.